Grönlanddurchquerung "Spurensuche 2020"

„… hier gewinnt das Leben Inhalt. Mögen Schwächlinge daheim bleiben und alle Theorien der Welt auswendig lernen, hier draußen Auge in Auge der Natur gegenüberstehen und seinen Scharfsinn an ihren Rätseln erproben, das gibt dem Leben einen ganz ungeahnten Inhalt.“

Alfred Wegener am 25.12.1906 in Grönland

Im Sommer 1912 durchquerte eine kleine, vierköpfige Expeditionsgruppe schweizerischer Wis-senschaftler mit Hundeschlitten das Inlandeis Grönlands. Es war nach der Expedition von Fridtjof Nansen die zweite erfolgreiche Eisüberquerung. Sie bestimmten das erste genaue Höhenprofil der Eiskappe. Vor dem Hintergrund der heutigen Klimawandeldiskussion haben Daten aus dieser vorindustriellen Zeit besonderen Wert. 2002, 90 Jahre später wurde die Route durch eine deutsche Gruppe auf Skiern nochmals begangen und komplett mittels modernster Satellitentechnik vermessen. Diese Messungen konnten 2006, 2010 und 2015 erfolgreich wiederholt werden, so dass hochpräzise Daten für die Höhenänderungen entlang der Route vorliegen. Zwei kleinere Expeditionen fanden 2012 und 2017 statt. Die Oberflächenverhältnisse im südlichen Grönland ändern sich infolge des Abschmelzens des Eispanzers besonders im Randbereich dramatisch: die Gebiete mit Schmelzwasserseen und -bächen wachsen an, Spaltengebiete vergrößern und verändern sich, die Schneeauflage wird von Jahr zu Jahr geringer und feuchter, …

Das Projekt

Die Idee dieses Projektes geht auf Prof. W. Korth (Beuth-Hochschule Berlin) zurück. Wilfried Korth war von 2002 bis 2017 der wissenschaftliche Leiter und von 2010 bis 2017 Expeditionsleiter. Wir möchten mit der Expedition 2020 die von ihm initiierte Arbeit fortführen.
Die Eiskappen in der Antarktis und Grönland, die Eisfelder in Island, Patagonien und Alaska und auch die alpinen Gebirgsgletscher reagieren auf die Veränderungen des globalen Klimas durch Volumenänderungen. Je kleiner sie sind, desto stärker reagieren sie auf regionale oder lokale Einflüsse. Die großen Eiskappen sind hingegen „Sensoren“ für globale Klimaänderungen. Die Be-stimmung von Volumenänderungen des grönländischen Eisschildes ist besonders interessant, weil sich gerade hier starke Veränderungen zeigen. Die Temperaturänderungen in der Arktis liegen deutlich über den globalen Durchschnittswerten.

Karte des Expeditionsgebietes mit Höhenänderungen zwischen 1912 und 2012.

Die Traverse ist eine der wenigen Langzeitstudien zu Eishöhenänderungen! 2015 konnte erstmals ein nahezu vollständiges, hochgenaues Profil der Eiskappe mit einem Punktabstand von wenigen Metern (!) bestimmt werden. Dadurch sind direkte Vergleiche mit den Daten aus Satellitenmissionen wie IceSat oder Cryosat möglich.

Dieses inzwischen in Grönland einzigartige Langzeitprojekt soll fortgesetzt werden.

Für 2020 ist eine Skiexpedition mit nochmaliger vollständiger kinematischer Messung der gesamten Traverse geplant. Dabei sollen auch Teilabschnitte einer geowissenschaftlichen Traverse aus den 50er Jahren, die Ende der 80er Jahre letztmalig vermessen wurde, einbezogen werden.

Besonders wichtig sind bei solchen Projekten Bildungs-und Öffentlichkeitsarbeit. Die aktuellen, klimabedingten Veränderungen der Erde betreffen vor allem die kommenden Generationen. Des­halb sind Aktionen mit und für Schüler fester Bestandteil des Projektes. Auftritte im Rahmen der „Kinderuni“ (Cottbus, Senftenberg, Görlitz und Zittau), der Schülerakademie (Potsdam) und in vielen Schulen im Raum Berlin hat es schon gegeben. Diese sollen auch zukünftig fortgesetzt werden. Geplant sind vorbereitende Aktionen im Winter 2019 und Frühjahr 2020, ein Polartrainingscamp im Winter 2019/20 und eine „Begleitung“ der Expedition z.B. mit Telefonliveschaltungen sowie die Veröffentlichung von Berichten, Radiobeträgen und Positionsverfolgung. Die Ergebnisse sollen mit Schülern/Studenten gemeinsam aufbereitet und veröffentlicht werden

Das Arbeitsprogramm

Es soll eine Neumessung des Profils mit zusätzlichen Arbeiten und Erweiterungen erfolgen. Geplant sind:

  • Wiederholungsmessung der Höhen entlang des Profils (700 km, 45 Tage).
  • Nachmessungen der ehemaligen Positionen von 4 Netzpunkten (exakt an den alten Stellen, Lagegenauigkeit +- 1m) eines Projektes von Prof. M. Stober am Swiss Camp, evt. DGM erstellen (fachliche Betreuung durch Prof. M. Stober)
  • Photogrammetrische Oberflächenerfassung mit Hilfe von Drohnen. (Kooperation mit der Tschechischen Technischen Universität in Prag, Prof. K. Pavelka.) – Teilprojekt 2019 im Rahmen von „Ocean Change 2018/19 – Turn The Page“ unter der Leitung von Arved Fuchs
  • Weitere Messungen zur Schneedichte, Meteorologie und Glaziologie.
  • Mediale Begleitung des Projektes

Teilnehmer:

Frank Polte (Ingenieur, Molde NOR/GER)Expeditionsleiter
Steffen Welsch (Bergführer, El Calafate ARG/GER)stellv. Expeditionsleiter
Thomas Hitziger (Mathematiker; BTU Cottbus-Senftenberg)fachliche Leitung
Luisa Näke (Studentin; BTU Cottbus-Senftenberg)Messungen
Marco Schütze (Student, Beuth Hochschule Berlin)Messungen/Öffentlichkeitsarbeit
Fabian Fohler (Student, BTU Cottbus-Senftenberg)evt. Westküste

Zeitplanung

Es sollen 4-6 Personen an der Expedition teilnehmen. Die Leitung wird Frank Polte übernehmen. Er hat an einer vorangegangenen Expedition teilgenommen. Drei der weiteren Teilnehmer haben Erfahrungen in Grönland und im Hochgebirge. Dies sind Voraussetzungen, die für einen Erfolg der Unternehmung bürgen.
Die Expedition soll etwa zwischen dem 20. Juli und dem 15. September 2020 realisiert werden.

Kosten (geschätzt für 5 Personen, 40-45 Tage Eisquerung)

Verschiffung der Ausrüstung1.500 €
Flüge nach Grönland und zurück (ca. 2100 €/Person)10.500 €
Transportkosten in Grönland (Bootstransfers)2.500 €
Transportkosten (Helikoptercharter)8.000 €
Pflichtversicherung5.000 €
Genehmigungen durch die grönländischen Behörden    1.000 €
Verpflegungsaufwand (30 € pro Tag und Person)6.750 €
Uebernachtung / Essen 3-5 Tage vor und nach Eis Ueberquerung 2.500 €
Ausrüstung Kauf / Reperatur15.000 €
Kommunikation (Satellitentelefon)1.500 €
Trainingtour Hardangervidda 2.500 €
Gesamtaufwand geschätzt   56.450 €

Für die erforderliche Ausrüstung (Zelte, Schlitten, Bergsicherheitsausrüstung, usw.) kann z.T. auf den „Expeditionsfundus“ zurückgegriffen werden. Fehlende Positionen werden gekauft oder durch Unterstützer und Sponsoren bereitgestellt.

Um die Finanzierung der ausstehenden Kosten zu decken, heißen wir Unterstützer und Sponsoren herzlich willkommen! Wenn Sie diese Expedition unterstützen wollen, freuen wir uns über jede Spende.

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