C32 bis C34-21: Heim-Expedition erfolgreich abgeschlossen!

Die Heim-Expedition 2021 ist erfolgreich abgeschlossen! Alle drei iceploration-Mitglieder Johanna, Franziska und Ruppert Heim sind wohl auf und auf dem Weg zurück in die Zivilisation. Wir haben täglich mitgefiebert und gratulieren nun den Dreien für diese fantastische Leistung!

Abschließend sind hier die Berichte der letzten drei Camps aufgeführt:

C32-21 „Grünland“, an unsere Freunde von Iceploration

Ruppert ist am Morgen vorgelaufen, um den weiteren Weg und die Gegend zu erkunden. Zieht sich alles länger als gedacht. Es ist sehr steil und das müssen wir alles 3-5 Mal hoch und runter. Haben entschieden, das Boot nochmal zu verschieben. Werden jetzt am Montag abgeholt. Danke an Nikoline, die das alles für uns organisiert. 

Wir haben einen wunderschönen Platz an einem See für unser Camp gefunden. Es wird immer grüner.. Beobachten ein verliebtes Kanadagänsepaar direkt vor der Zelttür. Laufen barfuß über Flechten und Moose. Haben unsere Füße gebadet. Zum Glück geht hier ein leichter Wind, der die Moskitos in Schach hält. Auf dem Weg haben wir immer wieder einen tollen Blick auf den Eqi-Gletscher, der 80km von Ilulissat entfernt in einem Fjord mündet. Das Schöne beim Hin- und Herlaufen ist, dass man die Umgebung von allen Seiten sehen kann. Bevor wir die letzten 700m bis zum Meer in Angriff nehmen, müssen wir noch einmal  die letzte Etappe zurücklaufen, um die letzten Gepäckstücke zu holen. Sehen nochmal das Inlandeis.

Haben schon ein paar Mückenstiche. Die letzten weißen Schneeflecken an den Nordhängen kämpfen gegen die Mitternachtsonne an. Die Schneehühner fangen langsam an, sich von weiß in braun zu verfärben.

C33-21 „Eqi-Gletscher“

Am Morgen sind wir nochmal auf den Berg hinauf und haben die letzten Gepäckstücke geholt. Hier liegen viele Stein in den verschiedensten Farben und Mustern: rot, blau, grün…

Die Urgletscher haben große Findlinge in der ganzen Landschaft verteilt. Vor allem auf den abgeschliffenen Hügeln. Es ist eine Besonderheit, wenn ein großer Findling auf drei kleinen Steinen liegt. Sieht so aus als hätte das jemand so hingelegt.

Heute sind wir zum ersten Mal mit dem Gepäck bis ans Meer gelaufen und haben unsere Hände ins Wasser getaucht. Hier am Eqicamp sind 16 rote Hütten auf Stelzen. Außer uns ist niemand hier. Das letzte Mal war jemand 2020 hier. Von hier aus haben wir einen wunderschönen Blick auf den Gletscher. Man kann die Abbruchkante beobachten, wenn Eis abbricht. Und man hört ein lautes Wummern.

Können die Schneehühner beobachten wie sie sich jagen (Paarungszeit?) Schlafen noch eine Nacht am See oben in der „Wildnis“. Und morgen geht’s dann mit dem restlichen Gepäck nach unten.

Das Eqi-Camp oder die „Glacier Lodge Eqi“ ist ein interessanter Ort. Die 15 Hütten und vier Luxus-Zelte liegen genau gegenüber des ewig kalbenden Gletschers Eqip Sermia. Es ist das einzige Camp solcher Art in der grönländischen Einöde und hier wird sehr viel Rücksicht auf CO2-Ausstoß und die Umwelt genommen. Momentan ist es geschlossen. Auch geschichtlich ist das Eqi-Camp sehr interessant. Die Hütten liegen direkt neben der „Franzosen-Hütte“, die ehemalige Basisstation für die Untersuchungen und Expeditionen von Poul Emil Victor zwischen 1948 und 1953. Von hier aus haben die Franzosen die Dicke des Inlandeises gemessen. Mehr als 60 Jahre später sieht man deren Spuren noch immer: Ketten, Brücken, Ölfässer, eine geschlossene Seilbahn und einige große Aluminiumschlitten, die am Rand des Inlandeises liegen.

Bereiten uns schon langsam auf den Rücktransport vor und trocknen unter anderem die Kites. Genießen noch die Ruhe und die Sonne hier.

C34-21 „Dankeschön“, ALLEN gewidmet

Haben die letzten Sachen hinunter zum Meer gebracht. Waren im See „baden“. War arsch kalt J Haben unser Zelt auf einer Holzplattform aufgebaut. Zwei Wochenendausflügler haben einen kurzen Stop mit dem Boot gemacht. Kurz bevor sie wieder weggefahren sind, sind wir schnell zu ihnen gelaufen auf einen kleine Ratsch. Unsere ersten Menschen seit 35 Tagen! Wahrscheinlich sehen wir sie in Ilulissat wieder und treffen uns auf ein Bier. Abend waren wir auf der Seitenmoräne vom Eqi-Gletscher. Es donnert beim Kalben, Eis bricht ins Meer, spritzt ganz hoch, dann Wellen… Super schönes Licht. Wir sind sehr dankbar, der Natur, dass sie so gut mit uns umgegangen ist und wir ihre Schönheit und Größe erleben durften und gesund wieder in die Zivilisation kommen. Das wird die letzte Nacht in unserem Zuhause der letzten 4 Wochen (Zelt). Die Moskitos bleiben zum Glück draußen!

Hoffen, der Bootsführer fällt vom Gestank nicht in Ohnmacht!

Haben heute drei Steine von Tasiilaq hier an der Westküste ins Meer geworfen. Dankeschön, für diese wunderbare Tour! Haben die 800km-Marke überschritten 🙂

C31-21 „Frühlingserwachen“

Barbara Stüber gewidmet

Kommen nur mäßig vorwärts, kriegen aber dafür umso mehr von der Natur um uns herum mit: Raupen, Marienkäfer, Blumen, zwitschernde Vögel, Zwergbäume (1cm hoch).

Die Schneehühner lachen uns gefühlt aus, wenn sie an uns vorbeifliegen. Von dem letzten Camp auf dem Eis, sind wir nach zwei Tagen Gepäck schleppen 3,2km entfernt. Sind die Strecke aber fünf Mal gelaufen, um unsere Sachen alle zu transportieren. Bis zum Meer sind es nochmal 3,1km. Es kommt uns alles sehr langsam vor. Von der Eismitte haben wir 420km in sechs Tagen geschafft – jetzt brauchen wir für 6km vier Tage. Mühen uns sehr ab. Die Landschaft macht alles wert: plätschernde Bäche, nasses Moos und moorige Umgebung. Hanna hat nasse Füße. Unsere schweren Taschen verwenden wir als Heringe am Zelt. Können immer noch gut lachen, besonders wenn wir Schokolade gegessen haben. 😀

C30-21 „Nachspeise“

Johanna Seidl und Manfred Weißenbacher gewidmet

Heute haben wir erstmal ausgeschlafen. Sind von starken Fallwinden geweckt worden, konnten dann aber nochmal bis 11Uhr ausschlafen. Wir genießen die ersten Steine mit ihren Flechten und Blümchen zwischendrin. Haben einen Polarfuchs, einen Hasen und ein Huhn gesehen. 

Nun müssen wir unsere Sachen bis Port Victor ans Meer tragen. Dort holt uns ein Freund von Nikoline, einer grönländischen Freundin aus Ilulissat, mit dem Boot ab. Um das Gepäck übers Land zum Hafen zu transportieren, müssen wir dreimal zum Ausgangspunkt zurück. Das heißt wir laufen dieselbe Strecke fünfmal, weil das Gepäck so schwer ist. Haben noch Essen und Sprit für ca. 14 Tage übrig. Jeder Tag wiegt 3,7kg und wir haben 45 Camps eingeplant. Die Kiteausrüstung macht den anderen großen Teil des Gewichts aus. Das ist der Nachteil, wenn man schnell durchkommt. 

Alles fühlt sich an wie der Nachspann nach der Expedition. Wandern entspannt, weil es keine wirklichen Gefahren mehr gibt. Fühlt sich an wie Urlaub: die Gerüche, die Natur mit Flora und Fauna… im Gras liegen.. Es hat cicra 0 Grad, ist windig mit blauem Himmel. Wir merken, was die Schlitten tragen mussten und die Kites an Arbeit geleistet haben. Die Skier gleiten deutlich besser als die Füße. Die Schlitten transportieren wir wie Schildkrötenpanzer auf unseren Rücken durchs Gelände, was sehr windanfällig ist. Alles andere haben wir in Taschen gepackt, die wir wie Rucksäcke auf den Rücken schnallen. 

Da müssen wir jetzt noch durch, aber die Natur ist wirklich so wundervoll. 

Essen zum Abendessen Schokolade und Nüsse und denken an Josef Högg.

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Foto: Spurensuche2020-Expedition

C29-21 „Mitternachtsonne“ – Ankunft an der westlichen Eiskante

Lena Ziegler und Claudia Elsner gewidmet

Um drei Uhr hat der Wecker geklingelt. Bei Windstille sind wir 8km gelaufen bis der Ruppert keine Lust mehr zu laufen hatte. Er ist immerhin schon 20km von den 400km seit es bergab geht ohne Kite gelaufen. Er lässt den Kite fliegen und trägt ihn spazieren. Funktioniert gut und zieht uns gemächlich, meditativ bergab.

Waren die ganze Zeit angeseilt wegen der Spalten. Über uns blauer Himmel, auf dem Landabschnitt am Meer erstreckte sich ein Wolkenband. Sahen, dass es dort schneit. Waren sehr erstaunt als wir Eisbärspuren entdeckten, denn das ist an der Westküste sehr unwahrscheinlich. Vielleicht eine Mutter mit Kindern? Waren sehr erstaunt.

Erreichten heute unseren ersten türkis leuchtenden Flusslauf mit See. Beim Drüberlaufen knackt es dumpf und knirscht. Manchmal sind wir ca. 10cm eingebrochen. Zum Glück schwimmen die Schlitten. Es ging weiter zu Fuß über große, halb offene Seen. Es hat sich alles sehr gezogen. Teilweise sind die Schmelzbäche so breit, dass wir Umwege laufen müssen.

13km vor der westlichen Eisgrenze hatten wir einen Tiefpunkt, waren ganz schön fertig. Haben die Route durchs Wasserlabyrinth diskutiert – Zelte aufbauen oder durchziehen? Schokolade und Nüsse haben geholfen. Weiter ging’s, mit Fallwinden im Rücken, weswegen wir wieder einen Kite vor die Seilschaft gespannt haben.

Als wir nur noch 3km von der Eiskante entfernt waren, kam wieder ein riesiger Schmelzwasserfluss mit Sumpf. Ruppert hat versucht drüber zu Kiten (Wasserskifahren), ist gescheitert und im Wasser gelandet. Stand bis unters Knie im Wasser. Haben eine andere Überquerungsstelle gesucht. Da der Ruppert sowieso nasse Füße hatte, hat er sich geopfert und uns über den Wasserlauf getragen und die Schlitten rüber gezogen. Rupperts Hose und Skischuhe sind sofort gefroren. Können die letzten Kilometer nochmal kiten.

Es ist eine atemberaubende Kulisse. Die Mitternachtssonne steht über den dunklen Bergen. Wir sehen das Meer und die Eisberge in wunderschönem Licht.

Als es am Ende nochmal steil bergab ging, wurden wir alle drei sehr emotional. Viele Gedanken. Müssen erstmal verarbeiten, was wir geschafft haben.

Angekommen am Camp, war erstmal wichtig das Zelt aufzubauen, Rupperts Füße aus den zugefrorenen Skischuhen mit der Eisaxt zu befreien. Sind hundemüde nach einem 23h langen Tag und einem Abendessen (mit Edith und Susanne Oefele) hundemüde eingeschlafen.

C27 und C28 – SwissCamp

C27-21 „Meeresbrise“, Alexandra Gärtner und Christian Löhlein gewidmet

Wir nähern uns der Westküste und werden so wie es aussieht zehn Tage früher ankommen als geplant. Weil wir alle unterbekommen wollen, werden es ab jetzt immer zwei Namen pro Camp werden.

Seit 1984 besteht das Messpunktefeld von Prof. Dr.-Ing. Manfred Stober, wo wir uns seit gestern Abend befinden und wo wir die nächsten zwei Tage Messungen vornehmen werden. Anhand eines Pegelnetzes (80 km von der Westküste auf dem Inlandeis) werden in einer Langzeitstudie die Fließgeschwindigkeit, die Verformung der Eisoberfläche sowie die Veränderung der Eishöhe beobachtet. Des Weiteren werden Höhenmodelle der Eisoberfläche abgeleitet. Die Werte werden zur Modellierung des grönländischen Eisschildes und zum Vergleich mit der globalen Klimaänderung benötigt. Wir müssen mit der Antenne die Höhe und genaue Position von 48 Punkten auf einer Fläche von 5km² ermitteln. Mit einer Sonde wird die Höhe bis zu Blankeis gemessen, interessant ist dann die Höhe des Punktes auf dem blanken Eis. Die momentane Schneehöhe liegt bei 1,5m. Unseren Messungen zufolge glauben wir, dass bei manchen Punkten schon seit 2014 vier Meter weniger Eis da ist. Müssen warten, welche Werte die Wissenschaftler ausrechnen. Waren den ganzen Tag bei Sonnenschein beschäftigt und sind einige Schritte mit Johanna Deml gegangen. Abends drehte der Wind auf Süd-West und wir konnten zum ersten Mal das Meer riechen. Erinnerungen an Ilulissat werden wach: Algen, Meer, Schlittenhunde… Bald sind wir dort. Heute kommt die zweite Hälfte der Punkte. Das Abendessen gestern Abend haben wir in Anwesenheit von Marion Jehle sehr genossen. 🙂

 

C28-21 „Feldarbeit“, an Pia & Tobi und Leo, Kilian & Max

Heute haben wir den zweiten Tag mit Messungen bei den Stober-Punkten verbracht. In Begleitung von David Severin haben wir einige Fußabdrücke im Schnee hinterlassen. Wir schauen, dass wir soviel wie möglich essen, damit wir so wenig wie möglich tragen müssen, wenns dann über Festland ohne Schnee geht. Mussten die Platte für die Antenne reparieren, die wegen des welligen Bodens durch die Erschütterung kaputt gegangen war. Es schneit leicht mit White Out, manchmal kommt die Sonne durch. Ca. 0 Grad, ohne Wind. Es ist sehr warm.

Gegen 17 Uhr waren wir fertig mit den letzten Messungen. Haben es uns im Zelt gemütlich gemacht und mit Brigitte Rist Abend gegessen. Jeder darf so viel essen wie er will, keine Rationierung mehr J Wollen zeitig schlafen und morgen früh um 3 Uhr aufstehen, um gute Schneebedingungen zu haben. Sind gespannt auf den Abstieg, laufen dann das erste Mal mit Landkarte. Mal sehen, wie lange wir noch Schnee haben, was die Spaltenlage so ist…

Vogeschwarm über dem Inlandeis (Spurensuche2020-Expedition)

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12 Die letzten Tage

C30 „Flockenwirbel“ – Tag 36

Wieder ein super kalter Tag mit schlechter Sicht und white out. Wir erkämpfen uns 16 km im Schneefall mit leichtem Wind über sehr buckligen stumpfen Schnee. Nachdem wir -22 am Morgen im Zelt hatten, wird es tagsüber nicht wärmer. Wir haben fast alle kalte Finger und Zehen und brauchen sehr lange bis diese warm werden. Erst nach etwa 4-6 km Pulkaziehen werden Hände und Füße warm. In den kurzen Pausen kühlen sie wieder aus. Erst kurz vor der nächsten Pause sind sie wieder warm, so geht das bis zum Abend an welchem wir in der Regel wieder eiskalt sind bevor wir in das Zelt schlüpfen. Um so mehr
bewundern wir den kleinen Vogel welcher in einer unserer Pausen Schutz bei uns sucht. Er setzt sich auf unsere Schuhe und Ski um sich in dieser Eiswüste etwas zu schützen.

Im „White out“ – Laufen ohne jegliche Orientierungspunkte beansprucht auch den Gleichgewichtssinn (11.9.2020)

C 31 „Lichtblick“, gewidmet Wechsel Tents – Tag 37

-31 Grad am Morgen 2 h nach Sonnenaufgang. Endlich wieder etwas Sonne! Leider nur für 3h. Tagestemperatur -24 Grad. Nach der ersten Stunde laufen, verschluckt uns der Nebel wieder. Mit dem Nebel kam auch Reif ganz plötzlich in der ersten Pause. Dadurch glitten die Pulken auch wieder gut und wir gingen 4 anstatt 3 km bis zur nächsten Pause.
Jedoch wurde es kurz vor der Pause wieder höllisch stumpfer Schnee. Zum Ende des Tages sind wir leer, haben keine Kraft mehr. Hände und Füße werden einfach nicht mehr warm trotz schwerer körperlicher Anstrengung. Das ist sehr bedenklich. Wir sind an unsere Grenze gekommen. Wir schaffen 15 km was immer noch unter dem Durchschnitt liegt, welches zum Erreichen der Westseite notwendig ist. Und das im Abstieg! Dennoch sind wir stolz auf unsere Tagesleistung. Mehr war nicht zu machen.

Wechselnde Schneebeschaffenheit und Wetterbedingungen erschweren uns das Weiterkommen (12.9.2020)

C32 „Der unglaubliche Planet Sastrugi“, gewidmet Allterra Deutschland GmbH, Höhe 1995m – Tag 38

Später Start aufgrund extremer Kälte, tagsüber -22°C und Nebel, Sicht wurde im Laufe des Tages besser und gegen 15:30 kam die Sonne nach Tagen mal wieder richtig raus. Wir müssen aufpassen, uns keine ernsthaften Erfrierungen zuzuziehen. Schneebedingungen wechseln schnell von sehr stumpf auf etwas gleitend und wieder zurück. Unglaublich schöne Sastrugis in regelmäßigen Abstand, jedoch schrecklich die Pulkas darüber zu ziehen. Wir schaffen 11km bevor wir Lager machen. Bereits 18:00 sind -31°C obwohl die Sonne noch scheint. Abends gibt es Mousse au Chocolat und einen Schuss Rum in den Tee. Das heitert die Stimmung auf! Aber unsere Situation ist kritisch und der Ausblick hoffnungslos. Die Wettervorhersage der Freunde zu Hause sagt schönes Wetter mit leichtem Rückenwind und -30 Grad und darunter für 2-3 Tage. Also Segelwind, jedoch erfriert man bei -30 Grad und Wind, da man sich beim Segeln qenig bewegt! Dazu die Sastrugis, also ist auch segeln ausgeschlossen. Darauf folgt ein großer Sturm gefolgt von Schneefall. Wir haben noch Essen für etwa 1 Woche, jedoch noch 180 km bis zum „Swiss camp“, unserem schon früher angepaßten Ziel. Das ist unter diesen Umständen auch nicht zu erreichen. Wir schauen unsere Finger und Zehen genau an und versuchen unsere Situation genau zu verstehen. Dabei wird klar, dass Thomas, Frank und Luisa bereits erste Anzeichen von Erfrierungen haben. Wir beschließen bei unter -20 nicht mehr für längere Zeit aus dem Zelt zu gehen, um keine bleibenden Erfrierunsschäden zu riskieren. Damit waren wir handlungsunfähig, zumindest für die nächsten 4 Tage. Es wurde klar, dass wir in ernsthafte Gefahr kommen werden, wenn wir nicht mit den Behörden und dem Rettungsdienst in Kontakt treten und unsere Abholung organisieren.

Somit beendeten wir die Expedition am Camp 32 / Tag 38 und wurden vom SAR-Helikopter nach Ilulissat ausgeflogen.

Reflexion nach 4 Tagen Erholung in Ilulissat

Die letzten 3 Wochen der Expedition verbrachten wir in nur einem Zelt inklusive kochen. Das war eigentlich nur eine Notlösung, wurde aber auf Grund der anhaltenden großen Kälte und schwierigen Bedingungen zum Standard. Wegen der schwierigen Schnee und Wetterbedingungen kamen wir zu langsam vorwärts. Dies kombiniert mit einem verspäteten Start bedingt durch Corona Quarantäne, einem Sturm am Start und einem sehr frühen Wintereinbruch mit extremen Temperaturen, ließ uns keine andere Möglichkeit, als die Expedition zeitiger zu beenden. Wir sind sehr froh darüber diese Entscheidung so gefällt zu haben. Alle Teilnehmer sind gesund und haben nur geringe Erfrierungen, welche bald wieder abheilen werden. Wir haben wertvolle Meßergebnisse von ⅔ des Höhenprofiles gesammelt und die Gesundheit aller Teilnehmer wurde gewahrt.

Ende der „Spurensuche 2020“-Expedition

Unser letztes Camp auf dem Inlandeis (13.09.2020, 1995m, -24°C tagsüber)

Aufgrund der anhaltenden extremen Wetterbedingungen und drohender ernsthafter Erfrierungen wurde die Expedition beendet. Wir wurden am Sonntag per Helikopter nach Ilulissat ausgeflogen. Wir sind alle wohl auf und haben keine ernsthaften Schäden.

Teil 1: Das Team „Spurensuche 2020“

Frank Polte, 49 Jahre, Dipl.Ing (FH) Vermessung

Beruf:

  • Elektromechaniker / Elektriker
  • nach Studium 6 Jahre Vermessungsingenieur
  • seit 2007 in Norwegen, Sen. Inspektions Ingenieur / Projektleiter Oil/Gas/Wind installationen On/offshore

Aufgewachsen in Dresden, wohnt nun in Molde /Norwegen.

Leidenschaftlicher Bergsteiger/Kletterer und Skifahrer in allen Disziplinen mit Schnee, Eis und Fels.

Trainer Skilanglauf fuer Kinder/Jugendgruppen in Molde.

Expeditionen:

  • 1990     Sibirien, Felsen an der Lena (Jakutien)
  • 1994     Karakorum, Querung des groessten ausserpolaren Gletschersystems (Baltoro-Snowlake-Hispar Gletscher)
  • 1995     Groenland, (Ost, Angmassalik) 1. Dresdner Schweizerland Expedition, Mountaineering mit Pulka, 4 Erstbesteigungen
  • 1997     Groenland, (Ost, Angmassalik) 2. Dresdner Schweizerland Expedition, Mountaineering mit Pulka, 3 Erstbesteigungen
  • 1998     Sächsische Karambar Expedition 1998 (Karakorum), Erstbesteigung von Kutshkulin Sar 5960m, Sax Sar 5999m, Yeti Sar 5980m
  • 2001     Kayakexpedition Ostgronland „Daenemarkstrasse 70-65° n.Br, von Scoresbysund nach Angmassalik ohne Depots. (warscheinlich die 1. Zusammenhaengende Befahrung mit Kayak)
  • 2003     Suedgroenland, Kletterexpedition, Apostel Tommelfinger 1400m 7+, Erstbegehung bis 30m unter Gipfel
  • 2005     Suedgroenland, Kletterexpedition
  • 2006     2. Groenlanddurchquerung „Spurensuche 2006“
  • 2008     Suedgroenland, Kletterexpedition, Apostel Tommelfinger, erneuter Versuch wegen Felssturz gescheitert
  • 2020     Expeditionsleiter, Groenlanddurchquerung „Spurensuche 2020“, es wird spannend

Steffen Welsch, 43 Jahre, Bergführer

„Der Weg nach Hause geht übers Eis.“

  • Beruf: Steinmetz / Steinbildhauer
  • Seit 1998 wohne ich in Südamerika, erst Chile und nun in Argentinien
  • Industriekletterschein (Level 3)
  • Aufgewachsen in Erfurt, Thüringen
  • Lebe nun ab 2013 in El Calafate, Patagonien

Expeditionen:

  • 1998 neue Route am Marmolejo südlichster 6000er der Welt (Goldener Eispickel DAV Chile)
  • 1998 Aconcagua ohne Beihilfe von Mulis oder zwischen Lager in 6 Tagen Puente Inca – Gipfel Puente Inca
  • 1999 Durchsteigung des hänge Gletscher El Morado WI5
  • 2001 1.Thüringer Llullaillaco (6723m) Expedition
  • 2003 Thüringer Antarktis Expedition mehrere Bergbesteigungen
  • 2006 Bergführer Prüfung in Bariloche Argentinien
  • 2014 Winterexpedition im Südpatagonischen Inlandeis versuch der ersten Winterbesteigung des Lautaros
  • 2016 Überquerung Cordillera Blanca Peru 3 , 5000 er und ein 6000er.
  • 2016 Erfolgreiche Besteigung des Lautaros Patagonisches Inlandeis
  • 2017 2. Besteigung des zweit hösten Berges Patagoniens Cuerno de Plata 3793m
  • 2018 Wissenschaftliche Querung des Südpatagonischen Inlandeises Ost – West – Ost
  • 2018 4. Besteigung des Cerro Mayo Südpatagonischen Inlandeis
  • 2019 1. Besteigung und Namensgebung des Cerros Nahumaday 2348m (5+ A0)
  • 2017 bis 2019 Mehrere Expeditionen und Bergbesteigungen in Ost Grönland

Thomas Hitziger, 56 Jahre, Mathematiker

  • aufgewachsen in Halle/Saale, Studium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Beruf: Akademischer Mitarbeiter an der BTU Cottbus-Senftenberg,                                             Fachgebiet Baumechanik und Numerische Methoden
  • Hobbies:       Laufsport, Bergtouren, Radfahren, Wandern, Gitarre
  • Aufgabe während der Expedition:                                                                                                          Küche, organisatorische Aufgaben, wissenschaftliche Leitung
  • Vorsitzender des Vereins „Iceploration e.V.“

Touren:

  • Berge: Karpaten, Kaukasus, Pamir, Pyrenäen, Alpen                                             
  • Gipfel: Elbrus (Ost,West), Mont Blanc, Pik Lenin
  • Rad: Projekt Europa per Rad (u.a. Cottbus-Istanbul, Cottbus-Nordkap, Cottbus-Faro)
  • Faltboot: Donaudelta, Masuren, Mecklenburger Seen und Märkische Gewässer

Grönland:

  • 2015 Teilnehmer der 5. Grönlanddurchquerung „Spurensuche 2015“                               
  • 2017 dreiwöchige klimawissenschaftliche Expedition in Ostgrönland (ca 200km)        
  • 2019 Ostgrönland (Hundefjord, Ficks Bjerg, Sermilik, Knud-Rasmussen Gletscher)

Luisa Näke, 23 Jahre, Studentin

„2020 wird ein spannendes Jahr!“

  • Studium: Bauingenieurwesen (Studentin)
  • Hobbies: Fahrrad fahren, Wandern, Tenorhorn spielen, Klettern (Unisport)
  • 2020 wird meine erste Durchquerung       
  • Aufgabe während der Expedition: Messungen durchführen
  • Bachelorarbeit bereitet die Auswertung der kinematischen GNSS-Daten vor
  • Vorstandsmitglied des Vereins „Iceploration e.V.“ (stellv. Vorsitzende)

sonstige Erfahrungen:

  • 2019:   Ostküste Grönland (z.T. mit Arved Fuchs und der Expedition „Ocean Change“)
  • Mehrtägige ausgedehnte Radtouren mit Zelt
  • Mehrtägige Trekkingtouren mit Gepäck
  • 100km-Wanderungen
  • Skiwettkampf Miriquidi als Team in Altenberg

Marco Schütze, 25 Jahre, Student

  • Bachelorabschluss im Vermessungswesen
  • Kurz vor Abschluss als M. Sc. in der Geoinformation
  • Neben den Studium Werkstudent in einem Laserscanning-Vermessungsbüro (Messungen mit Laserscannern, Bestandsplanfertigung, Deformationsanalysen…)
  • Vorstandsmitglied des Vereins „Iceploration e.V.“ (Schatzmeister)

Freizeit:

  • Metalband Bassgitarre sowie in einer Herrenmanschaft Tischtennis
  • Im Winter Tourenski in den Alpen (Besteigung mehrerer 4000er
  • Im Sommer Klettern in der Sächsischen Schweiz
  • Über meinen ehemaligen Prof. Wilfried Korth bin ich auf das geodätische Projekt aufmerksam geworden und konnte mich in das Team integrieren.
  • „Spurensuche 2020“ erste Überquerung und erster Kontakt zu Grönland.