C32 bis C34-21: Heim-Expedition erfolgreich abgeschlossen!

Die Heim-Expedition 2021 ist erfolgreich abgeschlossen! Alle drei iceploration-Mitglieder Johanna, Franziska und Ruppert Heim sind wohl auf und auf dem Weg zurück in die Zivilisation. Wir haben täglich mitgefiebert und gratulieren nun den Dreien für diese fantastische Leistung!

Abschließend sind hier die Berichte der letzten drei Camps aufgeführt:

C32-21 „Grünland“, an unsere Freunde von Iceploration

Ruppert ist am Morgen vorgelaufen, um den weiteren Weg und die Gegend zu erkunden. Zieht sich alles länger als gedacht. Es ist sehr steil und das müssen wir alles 3-5 Mal hoch und runter. Haben entschieden, das Boot nochmal zu verschieben. Werden jetzt am Montag abgeholt. Danke an Nikoline, die das alles für uns organisiert. 

Wir haben einen wunderschönen Platz an einem See für unser Camp gefunden. Es wird immer grüner.. Beobachten ein verliebtes Kanadagänsepaar direkt vor der Zelttür. Laufen barfuß über Flechten und Moose. Haben unsere Füße gebadet. Zum Glück geht hier ein leichter Wind, der die Moskitos in Schach hält. Auf dem Weg haben wir immer wieder einen tollen Blick auf den Eqi-Gletscher, der 80km von Ilulissat entfernt in einem Fjord mündet. Das Schöne beim Hin- und Herlaufen ist, dass man die Umgebung von allen Seiten sehen kann. Bevor wir die letzten 700m bis zum Meer in Angriff nehmen, müssen wir noch einmal  die letzte Etappe zurücklaufen, um die letzten Gepäckstücke zu holen. Sehen nochmal das Inlandeis.

Haben schon ein paar Mückenstiche. Die letzten weißen Schneeflecken an den Nordhängen kämpfen gegen die Mitternachtsonne an. Die Schneehühner fangen langsam an, sich von weiß in braun zu verfärben.

C33-21 „Eqi-Gletscher“

Am Morgen sind wir nochmal auf den Berg hinauf und haben die letzten Gepäckstücke geholt. Hier liegen viele Stein in den verschiedensten Farben und Mustern: rot, blau, grün…

Die Urgletscher haben große Findlinge in der ganzen Landschaft verteilt. Vor allem auf den abgeschliffenen Hügeln. Es ist eine Besonderheit, wenn ein großer Findling auf drei kleinen Steinen liegt. Sieht so aus als hätte das jemand so hingelegt.

Heute sind wir zum ersten Mal mit dem Gepäck bis ans Meer gelaufen und haben unsere Hände ins Wasser getaucht. Hier am Eqicamp sind 16 rote Hütten auf Stelzen. Außer uns ist niemand hier. Das letzte Mal war jemand 2020 hier. Von hier aus haben wir einen wunderschönen Blick auf den Gletscher. Man kann die Abbruchkante beobachten, wenn Eis abbricht. Und man hört ein lautes Wummern.

Können die Schneehühner beobachten wie sie sich jagen (Paarungszeit?) Schlafen noch eine Nacht am See oben in der „Wildnis“. Und morgen geht’s dann mit dem restlichen Gepäck nach unten.

Das Eqi-Camp oder die „Glacier Lodge Eqi“ ist ein interessanter Ort. Die 15 Hütten und vier Luxus-Zelte liegen genau gegenüber des ewig kalbenden Gletschers Eqip Sermia. Es ist das einzige Camp solcher Art in der grönländischen Einöde und hier wird sehr viel Rücksicht auf CO2-Ausstoß und die Umwelt genommen. Momentan ist es geschlossen. Auch geschichtlich ist das Eqi-Camp sehr interessant. Die Hütten liegen direkt neben der „Franzosen-Hütte“, die ehemalige Basisstation für die Untersuchungen und Expeditionen von Poul Emil Victor zwischen 1948 und 1953. Von hier aus haben die Franzosen die Dicke des Inlandeises gemessen. Mehr als 60 Jahre später sieht man deren Spuren noch immer: Ketten, Brücken, Ölfässer, eine geschlossene Seilbahn und einige große Aluminiumschlitten, die am Rand des Inlandeises liegen.

Bereiten uns schon langsam auf den Rücktransport vor und trocknen unter anderem die Kites. Genießen noch die Ruhe und die Sonne hier.

C34-21 „Dankeschön“, ALLEN gewidmet

Haben die letzten Sachen hinunter zum Meer gebracht. Waren im See „baden“. War arsch kalt J Haben unser Zelt auf einer Holzplattform aufgebaut. Zwei Wochenendausflügler haben einen kurzen Stop mit dem Boot gemacht. Kurz bevor sie wieder weggefahren sind, sind wir schnell zu ihnen gelaufen auf einen kleine Ratsch. Unsere ersten Menschen seit 35 Tagen! Wahrscheinlich sehen wir sie in Ilulissat wieder und treffen uns auf ein Bier. Abend waren wir auf der Seitenmoräne vom Eqi-Gletscher. Es donnert beim Kalben, Eis bricht ins Meer, spritzt ganz hoch, dann Wellen… Super schönes Licht. Wir sind sehr dankbar, der Natur, dass sie so gut mit uns umgegangen ist und wir ihre Schönheit und Größe erleben durften und gesund wieder in die Zivilisation kommen. Das wird die letzte Nacht in unserem Zuhause der letzten 4 Wochen (Zelt). Die Moskitos bleiben zum Glück draußen!

Hoffen, der Bootsführer fällt vom Gestank nicht in Ohnmacht!

Haben heute drei Steine von Tasiilaq hier an der Westküste ins Meer geworfen. Dankeschön, für diese wunderbare Tour! Haben die 800km-Marke überschritten 🙂

C31-21 „Frühlingserwachen“

Barbara Stüber gewidmet

Kommen nur mäßig vorwärts, kriegen aber dafür umso mehr von der Natur um uns herum mit: Raupen, Marienkäfer, Blumen, zwitschernde Vögel, Zwergbäume (1cm hoch).

Die Schneehühner lachen uns gefühlt aus, wenn sie an uns vorbeifliegen. Von dem letzten Camp auf dem Eis, sind wir nach zwei Tagen Gepäck schleppen 3,2km entfernt. Sind die Strecke aber fünf Mal gelaufen, um unsere Sachen alle zu transportieren. Bis zum Meer sind es nochmal 3,1km. Es kommt uns alles sehr langsam vor. Von der Eismitte haben wir 420km in sechs Tagen geschafft – jetzt brauchen wir für 6km vier Tage. Mühen uns sehr ab. Die Landschaft macht alles wert: plätschernde Bäche, nasses Moos und moorige Umgebung. Hanna hat nasse Füße. Unsere schweren Taschen verwenden wir als Heringe am Zelt. Können immer noch gut lachen, besonders wenn wir Schokolade gegessen haben. 😀

C30-21 „Nachspeise“

Johanna Seidl und Manfred Weißenbacher gewidmet

Heute haben wir erstmal ausgeschlafen. Sind von starken Fallwinden geweckt worden, konnten dann aber nochmal bis 11Uhr ausschlafen. Wir genießen die ersten Steine mit ihren Flechten und Blümchen zwischendrin. Haben einen Polarfuchs, einen Hasen und ein Huhn gesehen. 

Nun müssen wir unsere Sachen bis Port Victor ans Meer tragen. Dort holt uns ein Freund von Nikoline, einer grönländischen Freundin aus Ilulissat, mit dem Boot ab. Um das Gepäck übers Land zum Hafen zu transportieren, müssen wir dreimal zum Ausgangspunkt zurück. Das heißt wir laufen dieselbe Strecke fünfmal, weil das Gepäck so schwer ist. Haben noch Essen und Sprit für ca. 14 Tage übrig. Jeder Tag wiegt 3,7kg und wir haben 45 Camps eingeplant. Die Kiteausrüstung macht den anderen großen Teil des Gewichts aus. Das ist der Nachteil, wenn man schnell durchkommt. 

Alles fühlt sich an wie der Nachspann nach der Expedition. Wandern entspannt, weil es keine wirklichen Gefahren mehr gibt. Fühlt sich an wie Urlaub: die Gerüche, die Natur mit Flora und Fauna… im Gras liegen.. Es hat cicra 0 Grad, ist windig mit blauem Himmel. Wir merken, was die Schlitten tragen mussten und die Kites an Arbeit geleistet haben. Die Skier gleiten deutlich besser als die Füße. Die Schlitten transportieren wir wie Schildkrötenpanzer auf unseren Rücken durchs Gelände, was sehr windanfällig ist. Alles andere haben wir in Taschen gepackt, die wir wie Rucksäcke auf den Rücken schnallen. 

Da müssen wir jetzt noch durch, aber die Natur ist wirklich so wundervoll. 

Essen zum Abendessen Schokolade und Nüsse und denken an Josef Högg.

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Foto: Spurensuche2020-Expedition

C29-21 „Mitternachtsonne“ – Ankunft an der westlichen Eiskante

Lena Ziegler und Claudia Elsner gewidmet

Um drei Uhr hat der Wecker geklingelt. Bei Windstille sind wir 8km gelaufen bis der Ruppert keine Lust mehr zu laufen hatte. Er ist immerhin schon 20km von den 400km seit es bergab geht ohne Kite gelaufen. Er lässt den Kite fliegen und trägt ihn spazieren. Funktioniert gut und zieht uns gemächlich, meditativ bergab.

Waren die ganze Zeit angeseilt wegen der Spalten. Über uns blauer Himmel, auf dem Landabschnitt am Meer erstreckte sich ein Wolkenband. Sahen, dass es dort schneit. Waren sehr erstaunt als wir Eisbärspuren entdeckten, denn das ist an der Westküste sehr unwahrscheinlich. Vielleicht eine Mutter mit Kindern? Waren sehr erstaunt.

Erreichten heute unseren ersten türkis leuchtenden Flusslauf mit See. Beim Drüberlaufen knackt es dumpf und knirscht. Manchmal sind wir ca. 10cm eingebrochen. Zum Glück schwimmen die Schlitten. Es ging weiter zu Fuß über große, halb offene Seen. Es hat sich alles sehr gezogen. Teilweise sind die Schmelzbäche so breit, dass wir Umwege laufen müssen.

13km vor der westlichen Eisgrenze hatten wir einen Tiefpunkt, waren ganz schön fertig. Haben die Route durchs Wasserlabyrinth diskutiert – Zelte aufbauen oder durchziehen? Schokolade und Nüsse haben geholfen. Weiter ging’s, mit Fallwinden im Rücken, weswegen wir wieder einen Kite vor die Seilschaft gespannt haben.

Als wir nur noch 3km von der Eiskante entfernt waren, kam wieder ein riesiger Schmelzwasserfluss mit Sumpf. Ruppert hat versucht drüber zu Kiten (Wasserskifahren), ist gescheitert und im Wasser gelandet. Stand bis unters Knie im Wasser. Haben eine andere Überquerungsstelle gesucht. Da der Ruppert sowieso nasse Füße hatte, hat er sich geopfert und uns über den Wasserlauf getragen und die Schlitten rüber gezogen. Rupperts Hose und Skischuhe sind sofort gefroren. Können die letzten Kilometer nochmal kiten.

Es ist eine atemberaubende Kulisse. Die Mitternachtssonne steht über den dunklen Bergen. Wir sehen das Meer und die Eisberge in wunderschönem Licht.

Als es am Ende nochmal steil bergab ging, wurden wir alle drei sehr emotional. Viele Gedanken. Müssen erstmal verarbeiten, was wir geschafft haben.

Angekommen am Camp, war erstmal wichtig das Zelt aufzubauen, Rupperts Füße aus den zugefrorenen Skischuhen mit der Eisaxt zu befreien. Sind hundemüde nach einem 23h langen Tag und einem Abendessen (mit Edith und Susanne Oefele) hundemüde eingeschlafen.

C27 und C28 – SwissCamp

C27-21 „Meeresbrise“, Alexandra Gärtner und Christian Löhlein gewidmet

Wir nähern uns der Westküste und werden so wie es aussieht zehn Tage früher ankommen als geplant. Weil wir alle unterbekommen wollen, werden es ab jetzt immer zwei Namen pro Camp werden.

Seit 1984 besteht das Messpunktefeld von Prof. Dr.-Ing. Manfred Stober, wo wir uns seit gestern Abend befinden und wo wir die nächsten zwei Tage Messungen vornehmen werden. Anhand eines Pegelnetzes (80 km von der Westküste auf dem Inlandeis) werden in einer Langzeitstudie die Fließgeschwindigkeit, die Verformung der Eisoberfläche sowie die Veränderung der Eishöhe beobachtet. Des Weiteren werden Höhenmodelle der Eisoberfläche abgeleitet. Die Werte werden zur Modellierung des grönländischen Eisschildes und zum Vergleich mit der globalen Klimaänderung benötigt. Wir müssen mit der Antenne die Höhe und genaue Position von 48 Punkten auf einer Fläche von 5km² ermitteln. Mit einer Sonde wird die Höhe bis zu Blankeis gemessen, interessant ist dann die Höhe des Punktes auf dem blanken Eis. Die momentane Schneehöhe liegt bei 1,5m. Unseren Messungen zufolge glauben wir, dass bei manchen Punkten schon seit 2014 vier Meter weniger Eis da ist. Müssen warten, welche Werte die Wissenschaftler ausrechnen. Waren den ganzen Tag bei Sonnenschein beschäftigt und sind einige Schritte mit Johanna Deml gegangen. Abends drehte der Wind auf Süd-West und wir konnten zum ersten Mal das Meer riechen. Erinnerungen an Ilulissat werden wach: Algen, Meer, Schlittenhunde… Bald sind wir dort. Heute kommt die zweite Hälfte der Punkte. Das Abendessen gestern Abend haben wir in Anwesenheit von Marion Jehle sehr genossen. 🙂

 

C28-21 „Feldarbeit“, an Pia & Tobi und Leo, Kilian & Max

Heute haben wir den zweiten Tag mit Messungen bei den Stober-Punkten verbracht. In Begleitung von David Severin haben wir einige Fußabdrücke im Schnee hinterlassen. Wir schauen, dass wir soviel wie möglich essen, damit wir so wenig wie möglich tragen müssen, wenns dann über Festland ohne Schnee geht. Mussten die Platte für die Antenne reparieren, die wegen des welligen Bodens durch die Erschütterung kaputt gegangen war. Es schneit leicht mit White Out, manchmal kommt die Sonne durch. Ca. 0 Grad, ohne Wind. Es ist sehr warm.

Gegen 17 Uhr waren wir fertig mit den letzten Messungen. Haben es uns im Zelt gemütlich gemacht und mit Brigitte Rist Abend gegessen. Jeder darf so viel essen wie er will, keine Rationierung mehr J Wollen zeitig schlafen und morgen früh um 3 Uhr aufstehen, um gute Schneebedingungen zu haben. Sind gespannt auf den Abstieg, laufen dann das erste Mal mit Landkarte. Mal sehen, wie lange wir noch Schnee haben, was die Spaltenlage so ist…

Vogeschwarm über dem Inlandeis (Spurensuche2020-Expedition)

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Foto: Spurensuche2020-Expedition

C26-21 „Land in Sicht“

Max & Melly und @max.varun gewidmet

Haben letzte Nacht nur fünf Stunden geschlafen, weil wir heute einen längeren Tag einlegen wollten. Der Wind fegte heute mit heftigen 30km/h übers Eis, wurden vom Knattern des Zeltes geweckt. Weil der Wind zu stark zum Kiten und der Schnee zu wellig, sind wir die ersten 8km am Seil gegangen. Wenns mit dem Kiten geht, kiten wir als Seilschaft mit dem 4 m2-Kite, Ruppert wieder vorne und Franzi und Hanna hintendran. Gestern haben wir einen Vogelschwarm mit 30 Gänsen in einer Reihe fliegen gesehen. Es geht deutlich bergab, in großen Wellen.

Das erste Mal sehen wir Land! Am Horizont Berge mit ein bisschen Schnee drauf. Kaum zu glauben! Können uns noch gut an den ersten Tag erinnern. Verrückt mal was anderes zu sehen als Schnee und Eis. Erhaschen einen kurzen, weit entfernten Blick auf den Gletscher. Der größte und schnellste Gletscher zieht sich seit über einem Jahrhundert zurück. Er hat alleine zwischen 2000 und 2010 so viel Eis abgegeben, dass er einen Meeresspiegelanstieg von 1mm verursacht hat. Die Fließgeschwindigkeit des Jakobshavn Isbrae Gletschers beträgt im Sommer 20m pro Tag (Stand 2008). Am oberen Ende des Gletschers wurden teilweise sogar 46m/ Tag gemessen. Damit ist er der schnellste dauerhaft fließende Gletscher der Welt. Die Fließgeschwindigkeit wird durch ein riesiges Flusssystem unterhalb des Gletschers begünstigt. Jedes Jahr brechen schätzungsweise 35 Milliarden Tonnen Eis ins Meer.

Es wird vermutet, dass der Eisberg, den die Titanic 1912 rammte, vom Jakobshavn Isbrae stammte – im selben Jahr, in dem die Erstbegeher unserer Route, Quervain und Co., diesen Gletscher überquerten.

Gegen Abend haben wir das Swiss Camp erblickt (mittlerweile amerikanische Forschungsstation, die das Eis überwacht). Erstes menschliche Zeichen seit fast einem Monat. Wir sind noch ungefähr zwei Kilometer von unserem Camp entfernt. Unser Ziel ist es, morgen und übermorgen an den Stoberpunkten zu messen. Mehr dazu morgen

Sind froh, dass wir noch Schnee haben und er noch nicht weggetaut ist. Wer weiß wie es hier in 2 Wochen aussieht. Die Sonne leckt deutlich am Schnee.

Wir sind total glücklich, dass wir jetzt schon so nah an der Westküste sind und alles bisher so gut gelaufen ist. Kaum zu beschreiben.. Unsere Wunde heilen gut, z.B. die kleinen Erfrierungen und aufgeplatzen Lippen in unserem brauen Gesicht mit Brillenabdruck 😊

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Quellen:

https://www.swissinfo.ch/ger/swiss-camp-wacht-ueber-das-inlandeis-groenlands/1329574

https://www.spektrum.de/news/der-grund-des-schnellsten-gletschers-der-erde/1413907

https://de.wikipedia.org/wiki/Jakobshavn_Isbræ

https://www.dlr.de/content/de/bilder/2019/4/jakobshavn-isbrae-schnellster-gletscher-groenlands.html

https://www.dgpf.de/pfg/2009/pfg2009_1_Schwalbe.pdf

Foto: wikimedia

 

C24-21 und C25-21

C24-21 „Waschmaschine“, gewidmet „Ghetto 6“ in Margertshausen

Heute Vormittag kam der Wind aus unterschiedlichen Richtungen und der Schnee war warm und sehr nass, weswegen wir uns vorkamen wie in einer Waschmaschine.

Jeder von uns ist heute Vormittag mit einem Kite gestartet, dann wurde der Wind aber zu stark. Ab da gings zu dritt mit einem Kite weiter. Fühlt sich an wie Liftfahren. Ruppert vorne mit 4-m2-Kite und Franzi und Hanna mit Seil hinten dran. Mit 35-40kmh wäre der Wind für jeden einzelnen für uns zu stark gewesen. Die Sicht war sehr schlecht. Im Blindflug gings zum nächsten Camp. Da wir keinen Styroporschnee mehr haben, mussten wir heute Abend statt einer Schneemauer einen Schneehaufen bauen. Aber der Wind soll in der Nacht weniger werden. Morgen kiten wir nochmal, wenn die Bedingungen so wie vorhergesagt passen. Danach befinden wir uns im Einzugsgebiet des großen Gletschers Jakobshavn Isbræ bei Ilulissat. Sein Einzugsgebiet umfasst ungefähr 6,5% des Inlandeises. Müssen dann auf Spalten aufpassen. Es ist eklig, dass es so warm und dadurch nass ist.

Wer sich ein genaueres Bild von unserer Situation machen will kann sich mal „Nordpol“ von Helge Schneider anschauen 😁

 

C25-21 „Wunder der Natur“, Frank Ullmann

In der Früh haben wir einige Reparaturen erledigt. Dann gings mit den Kites weiter. Den Kite-Vormittag widmen wir heute an Enzo. Danke für deine großartige Unterstützung bei unserem digitalen Marketing!

Es ist wieder wellig – wie beim Aufstieg an der Ostküste. Angekommen auf einer Kuppe, sahen wir plötzlich riesige Eisaufwerfungen. Dachten erst es sind Spalten und haben uns angeseilt. Als wir näherkamen, stellten wir die Eisaufwerfungen fest, die von riesigen Seen abgeflossen waren. Die Eisskulptur heute geht an Robin Dammer-Plack. Sie war fünf Meter hoch, hat blau geschimmert, das Eis oben war aufgerissen. Das war die erste markante, krasse Veränderung. Wieder abgeseilt. Weiter gekitet. Aber der Boden war wie eine scharf-kantige Buckelpiste, weswegen wir die Kites wieder einpacken mussten.

Abends ging‘s dann weiter am Seil über die ersten Spaltenssysteme der Westküste durchzogen von Seen gefüllt mit blauem Eiswasser.

Ab jetzt geht es wieder zu Fuß weiter, weil das Gelände zu schwierig wird. Es sind noch 50km bis zu dem Ort, wo wir zwei Tage lang Messungen durchführen werden. Wir finden es ganz gut wieder langsamer unterwegs zu sein, so kommt der Kopf auch gut mit.

Langsam bekommen wir einen Geschmack von Sommer je weiter runter wir kommen. Freuen uns auf‘s Beachvolleyball spielen! Die Sonne brennt hier heiß runter und es wird deutlich wärmer.

Beim Abendessen mit Doris Auer haben wir mal weiter unten in der Essenstasche eine neue Geschmacksrichtung gefunden und es uns richtig gegönnt 😋

Gletscherfluss
(Quelle: https://lucaslaursen.com/building-a-better-glacial-speedometer/)

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C20 und C21

C20-21 „Kommune Qeqertalik“, „Langerringen – Da bin i dahoam“ gewidmet

Heute sind wir um 5 Uhr aufgestanden, haben die kleine Kites ausgepackt und sind in den Wind mit einer Geschwindigkeit von 30km/h gestartet. Wir bewegen uns mit dem Schneedrift über ein Schneefeld voller vom Wind entstandener Sastrugis Richtung Meer. Der Himmel kündigt den herannahenden Sturm an. Blöd ist, dass unsere Füße beim Kiten in den alpinen Schuhen kalt werden. Beim Laufen bleiben sie in den Expeditionsschuhen schön warm.

Am Abend war die Stimmung richtig schön. Die Sonne ging um Mitternacht unter und um 2 Uhr morgens wieder auf. Haben ein ein Meter tiefes Loch gebuddelt, damit das Zelt tiefer steht.

Insgesamt sind wir heute 110 km gekitet. Nach dem Abendessen um 2 Uhr nachts sind wir fix und fertig eingeschlafen. Wir haben bis auf die Eisdecke runtergegraben. Unter uns liegen jetzt 2000m Eis.

C21-21 „Eishotel“, Ramona Mörz gewidmet

Heute haben wir Heidi und Johannes Herden zum Essen in unser Eishotel eingeladen 🙂

Sitzen ins unserem ein Meter tiefen Schneeloch im Zelt, haben es uns sehr gemütlich eingerichtet, schöne Stufen zum Zelt und eine riesige bugartige Schneemauer gebaut.

Aktuell bläst der Wind mit 40km/h über unser Zelt hinweg. Wir erwarten morgen 90km/h starken Wind mit Böen mit einer Geschwindigkeit von 130km/h. Es hat -9°C, durch den Sturm wird es hier wärmer. Haben heute erst vier Stunden die Mauer gebaut, dann Mittagschlaf gemacht, Akkus geladen, Hörbuch gehört und Kocher gewartet. Freuen uns über all eure Nachrichten!

Eine Schneemauer bietet sehr guten Schutz vor Wind

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C18 und C19

C18-21 „Windspiel“, Stefan Jehmüller gewidmet

Wie angekündigt mussten wir heute einen Tag Pause einlegen. Diesen Tag widmen wir Sascha Paul.

Heute haben wir erstmal ausgeschlafen, viel gedöst, Kniffel oder Poker am Handy gespielt, Hörbuch gehört oder Nachrichten geschrieben. Ein Ohr ist immer beim Wind. Manchmal wummert es ganz laut am Zelt. Hier und da wagen wir einen vorsichtigen Blick nach draußen und machen Pläne für die nächsten Tage. Eventuell möglich wären zwei Tage kiten, aber wenn der Wind zu stark wird müssen wir uns beugen und mit der Natur mitgehen.

Rings um uns herum hat sich auf dem Zelt und den Pulkas Schnee angesammelt. Wir sind für starke Stürme, die in der kommenden Woche und auf der Westseite unserer Tour häufiger werde können, gut vorbereitet. Wir können eine Windmauer aus Schneeklötzen bauen oder uns eingraben. Sind gut in der Zeit.

Haben eine kleine Inventur vom Frühstück gemacht. Wir fühlen uns im Zelt eigentlich ganz sicher.

Heim-Expedition in der Hardangervidda (Norwegen)

C19- „Wie im Flug“, Platzhirsch Langerringen gewidmet

Diesen Kite-Tag widmen wir Susanne und Edith Oefele.

Nach dem Sturmtag im Zelt mussten wir heute erstmal die Schlitten ausgraben und das Zelt von Schnee befreien. Dann gings direkt vom Zelt aus mit den Kites los. Machen alle 20km Pausen um Messungen durchzuführen. Vormittags kommen wir mit 12-18km/h vorwärts, nachmittags mit ca. 20km/h. Es ist immer flach und geht leicht bergab.

Der Schnee ist vom Sturm geprägt und durchzogen von lauter kleinen Windverwehungen. Wir haben heute 80km geschafft, das entspricht ca. vier Tagesetappen.

Beim Laufen hat man zeit zum Nachdenken. Beim Kiten muss man sich sehr konzentrieren: wo fährt man hin? Was macht der Kite? Was macht der Wind? Wie steuert man? Wo ist die Route? Krass, was die Sensorik da leistet.

Um 18Uhr ließen wir es genug sein, auch um unsere Knie nicht überzubelasten, nicht, dass noch was passiert.

Morgen starten wir nochmal einen Kiteversuch. Bereiten uns langsam seelisch auf den Sturm vor, der uns für den 24. abends und den 25./26. Mai angekündigt wurde. Dank Frank Polte sind wir immer auf dem Laufenden was das Wetter betrifft und haben genug Zeit uns vorzubereiten und zu planen.

Ihr dürft uns in der Zeit gerne Nachrichten schreiben, haben dann viel Zeit zum Antworten 🙂

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C17-21 „Klimax“

Sebastian Wydra gewidmet

Was für ein Tag! Diesen Kite-Tag wollen wir David Severin widmen.

Angefangen hat es heute sehr gemütlich mit White Out. Der Vogel war nicht mehr da. Mittags kam die Sonne raus. Heute war ein sehr warmer Tag und wir sind fast 20 km gelaufen. Unser Wetterexperte Frank Polte hat uns empfohlen am Abend noch zu kiten, weil es für morgen eine Sturmmeldung gibt, weswegen wir einen Ruhetag einlegen müssen.

Der erwartete Wind hat sich um drei Stunden verspätet und wir konnten erst um 19Uhr loskiten. Ab dann ging‘s schön romantisch Richtung Sonnenuntergang, bis wir schlussendlich von einer dicken Wolkenwand überrollt wurden. Totales White Out und Sturm. Wir haben es gerade noch geschafft die Kites zusammenzupacken und eine riesige Schneemauer zu bauen. Um 0:30Uhr waren wir dann im Zelt.

Es war heute absolut überwältigend über den höchsten Punkt dieses Rieseneisschilds auf 2552m hinüber zu fliegen, der Wind hat uns geradezu darüber hinweggefegt! So schnell konnten wir gar nicht schauen!

Diesen Moment widmen wir an Jürgen Thiele, danke für deine Unterstützung!

Es war wirklich ein Spektakel, wie ein dramaturgisches Stück mit Klimax und Gipfel mit dabei.

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