12 Die letzten Tage

C30 „Flockenwirbel“ – Tag 36

Wieder ein super kalter Tag mit schlechter Sicht und white out. Wir erkämpfen uns 16 km im Schneefall mit leichtem Wind über sehr buckligen stumpfen Schnee. Nachdem wir -22 am Morgen im Zelt hatten, wird es tagsüber nicht wärmer. Wir haben fast alle kalte Finger und Zehen und brauchen sehr lange bis diese warm werden. Erst nach etwa 4-6 km Pulkaziehen werden Hände und Füße warm. In den kurzen Pausen kühlen sie wieder aus. Erst kurz vor der nächsten Pause sind sie wieder warm, so geht das bis zum Abend an welchem wir in der Regel wieder eiskalt sind bevor wir in das Zelt schlüpfen. Um so mehr
bewundern wir den kleinen Vogel welcher in einer unserer Pausen Schutz bei uns sucht. Er setzt sich auf unsere Schuhe und Ski um sich in dieser Eiswüste etwas zu schützen.

Im „White out“ – Laufen ohne jegliche Orientierungspunkte beansprucht auch den Gleichgewichtssinn (11.9.2020)

C 31 „Lichtblick“, gewidmet Wechsel Tents – Tag 37

-31 Grad am Morgen 2 h nach Sonnenaufgang. Endlich wieder etwas Sonne! Leider nur für 3h. Tagestemperatur -24 Grad. Nach der ersten Stunde laufen, verschluckt uns der Nebel wieder. Mit dem Nebel kam auch Reif ganz plötzlich in der ersten Pause. Dadurch glitten die Pulken auch wieder gut und wir gingen 4 anstatt 3 km bis zur nächsten Pause.
Jedoch wurde es kurz vor der Pause wieder höllisch stumpfer Schnee. Zum Ende des Tages sind wir leer, haben keine Kraft mehr. Hände und Füße werden einfach nicht mehr warm trotz schwerer körperlicher Anstrengung. Das ist sehr bedenklich. Wir sind an unsere Grenze gekommen. Wir schaffen 15 km was immer noch unter dem Durchschnitt liegt, welches zum Erreichen der Westseite notwendig ist. Und das im Abstieg! Dennoch sind wir stolz auf unsere Tagesleistung. Mehr war nicht zu machen.

Wechselnde Schneebeschaffenheit und Wetterbedingungen erschweren uns das Weiterkommen (12.9.2020)

C32 „Der unglaubliche Planet Sastrugi“, gewidmet Allterra Deutschland GmbH, Höhe 1995m – Tag 38

Später Start aufgrund extremer Kälte, tagsüber -22°C und Nebel, Sicht wurde im Laufe des Tages besser und gegen 15:30 kam die Sonne nach Tagen mal wieder richtig raus. Wir müssen aufpassen, uns keine ernsthaften Erfrierungen zuzuziehen. Schneebedingungen wechseln schnell von sehr stumpf auf etwas gleitend und wieder zurück. Unglaublich schöne Sastrugis in regelmäßigen Abstand, jedoch schrecklich die Pulkas darüber zu ziehen. Wir schaffen 11km bevor wir Lager machen. Bereits 18:00 sind -31°C obwohl die Sonne noch scheint. Abends gibt es Mousse au Chocolat und einen Schuss Rum in den Tee. Das heitert die Stimmung auf! Aber unsere Situation ist kritisch und der Ausblick hoffnungslos. Die Wettervorhersage der Freunde zu Hause sagt schönes Wetter mit leichtem Rückenwind und -30 Grad und darunter für 2-3 Tage. Also Segelwind, jedoch erfriert man bei -30 Grad und Wind, da man sich beim Segeln qenig bewegt! Dazu die Sastrugis, also ist auch segeln ausgeschlossen. Darauf folgt ein großer Sturm gefolgt von Schneefall. Wir haben noch Essen für etwa 1 Woche, jedoch noch 180 km bis zum „Swiss camp“, unserem schon früher angepaßten Ziel. Das ist unter diesen Umständen auch nicht zu erreichen. Wir schauen unsere Finger und Zehen genau an und versuchen unsere Situation genau zu verstehen. Dabei wird klar, dass Thomas, Frank und Luisa bereits erste Anzeichen von Erfrierungen haben. Wir beschließen bei unter -20 nicht mehr für längere Zeit aus dem Zelt zu gehen, um keine bleibenden Erfrierunsschäden zu riskieren. Damit waren wir handlungsunfähig, zumindest für die nächsten 4 Tage. Es wurde klar, dass wir in ernsthafte Gefahr kommen werden, wenn wir nicht mit den Behörden und dem Rettungsdienst in Kontakt treten und unsere Abholung organisieren.

Somit beendeten wir die Expedition am Camp 32 / Tag 38 und wurden vom SAR-Helikopter nach Ilulissat ausgeflogen.

Reflexion nach 4 Tagen Erholung in Ilulissat

Die letzten 3 Wochen der Expedition verbrachten wir in nur einem Zelt inklusive kochen. Das war eigentlich nur eine Notlösung, wurde aber auf Grund der anhaltenden großen Kälte und schwierigen Bedingungen zum Standard. Wegen der schwierigen Schnee und Wetterbedingungen kamen wir zu langsam vorwärts. Dies kombiniert mit einem verspäteten Start bedingt durch Corona Quarantäne, einem Sturm am Start und einem sehr frühen Wintereinbruch mit extremen Temperaturen, ließ uns keine andere Möglichkeit, als die Expedition zeitiger zu beenden. Wir sind sehr froh darüber diese Entscheidung so gefällt zu haben. Alle Teilnehmer sind gesund und haben nur geringe Erfrierungen, welche bald wieder abheilen werden. Wir haben wertvolle Meßergebnisse von ⅔ des Höhenprofiles gesammelt und die Gesundheit aller Teilnehmer wurde gewahrt.