C24-21 und C25-21

C24-21 „Waschmaschine“, gewidmet „Ghetto 6“ in Margertshausen

Heute Vormittag kam der Wind aus unterschiedlichen Richtungen und der Schnee war warm und sehr nass, weswegen wir uns vorkamen wie in einer Waschmaschine.

Jeder von uns ist heute Vormittag mit einem Kite gestartet, dann wurde der Wind aber zu stark. Ab da gings zu dritt mit einem Kite weiter. Fühlt sich an wie Liftfahren. Ruppert vorne mit 4-m2-Kite und Franzi und Hanna mit Seil hinten dran. Mit 35-40kmh wäre der Wind für jeden einzelnen für uns zu stark gewesen. Die Sicht war sehr schlecht. Im Blindflug gings zum nächsten Camp. Da wir keinen Styroporschnee mehr haben, mussten wir heute Abend statt einer Schneemauer einen Schneehaufen bauen. Aber der Wind soll in der Nacht weniger werden. Morgen kiten wir nochmal, wenn die Bedingungen so wie vorhergesagt passen. Danach befinden wir uns im Einzugsgebiet des großen Gletschers Jakobshavn Isbræ bei Ilulissat. Sein Einzugsgebiet umfasst ungefähr 6,5% des Inlandeises. Müssen dann auf Spalten aufpassen. Es ist eklig, dass es so warm und dadurch nass ist.

Wer sich ein genaueres Bild von unserer Situation machen will kann sich mal „Nordpol“ von Helge Schneider anschauen 😁

 

C25-21 „Wunder der Natur“, Frank Ullmann

In der Früh haben wir einige Reparaturen erledigt. Dann gings mit den Kites weiter. Den Kite-Vormittag widmen wir heute an Enzo. Danke für deine großartige Unterstützung bei unserem digitalen Marketing!

Es ist wieder wellig – wie beim Aufstieg an der Ostküste. Angekommen auf einer Kuppe, sahen wir plötzlich riesige Eisaufwerfungen. Dachten erst es sind Spalten und haben uns angeseilt. Als wir näherkamen, stellten wir die Eisaufwerfungen fest, die von riesigen Seen abgeflossen waren. Die Eisskulptur heute geht an Robin Dammer-Plack. Sie war fünf Meter hoch, hat blau geschimmert, das Eis oben war aufgerissen. Das war die erste markante, krasse Veränderung. Wieder abgeseilt. Weiter gekitet. Aber der Boden war wie eine scharf-kantige Buckelpiste, weswegen wir die Kites wieder einpacken mussten.

Abends ging‘s dann weiter am Seil über die ersten Spaltenssysteme der Westküste durchzogen von Seen gefüllt mit blauem Eiswasser.

Ab jetzt geht es wieder zu Fuß weiter, weil das Gelände zu schwierig wird. Es sind noch 50km bis zu dem Ort, wo wir zwei Tage lang Messungen durchführen werden. Wir finden es ganz gut wieder langsamer unterwegs zu sein, so kommt der Kopf auch gut mit.

Langsam bekommen wir einen Geschmack von Sommer je weiter runter wir kommen. Freuen uns auf‘s Beachvolleyball spielen! Die Sonne brennt hier heiß runter und es wird deutlich wärmer.

Beim Abendessen mit Doris Auer haben wir mal weiter unten in der Essenstasche eine neue Geschmacksrichtung gefunden und es uns richtig gegönnt 😋

Gletscherfluss
(Quelle: https://lucaslaursen.com/building-a-better-glacial-speedometer/)

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Foto: Spurensuche2020-Expedition

12 Die letzten Tage

C30 „Flockenwirbel“ – Tag 36

Wieder ein super kalter Tag mit schlechter Sicht und white out. Wir erkämpfen uns 16 km im Schneefall mit leichtem Wind über sehr buckligen stumpfen Schnee. Nachdem wir -22 am Morgen im Zelt hatten, wird es tagsüber nicht wärmer. Wir haben fast alle kalte Finger und Zehen und brauchen sehr lange bis diese warm werden. Erst nach etwa 4-6 km Pulkaziehen werden Hände und Füße warm. In den kurzen Pausen kühlen sie wieder aus. Erst kurz vor der nächsten Pause sind sie wieder warm, so geht das bis zum Abend an welchem wir in der Regel wieder eiskalt sind bevor wir in das Zelt schlüpfen. Um so mehr
bewundern wir den kleinen Vogel welcher in einer unserer Pausen Schutz bei uns sucht. Er setzt sich auf unsere Schuhe und Ski um sich in dieser Eiswüste etwas zu schützen.

Im „White out“ – Laufen ohne jegliche Orientierungspunkte beansprucht auch den Gleichgewichtssinn (11.9.2020)

C 31 „Lichtblick“, gewidmet Wechsel Tents – Tag 37

-31 Grad am Morgen 2 h nach Sonnenaufgang. Endlich wieder etwas Sonne! Leider nur für 3h. Tagestemperatur -24 Grad. Nach der ersten Stunde laufen, verschluckt uns der Nebel wieder. Mit dem Nebel kam auch Reif ganz plötzlich in der ersten Pause. Dadurch glitten die Pulken auch wieder gut und wir gingen 4 anstatt 3 km bis zur nächsten Pause.
Jedoch wurde es kurz vor der Pause wieder höllisch stumpfer Schnee. Zum Ende des Tages sind wir leer, haben keine Kraft mehr. Hände und Füße werden einfach nicht mehr warm trotz schwerer körperlicher Anstrengung. Das ist sehr bedenklich. Wir sind an unsere Grenze gekommen. Wir schaffen 15 km was immer noch unter dem Durchschnitt liegt, welches zum Erreichen der Westseite notwendig ist. Und das im Abstieg! Dennoch sind wir stolz auf unsere Tagesleistung. Mehr war nicht zu machen.

Wechselnde Schneebeschaffenheit und Wetterbedingungen erschweren uns das Weiterkommen (12.9.2020)

C32 „Der unglaubliche Planet Sastrugi“, gewidmet Allterra Deutschland GmbH, Höhe 1995m – Tag 38

Später Start aufgrund extremer Kälte, tagsüber -22°C und Nebel, Sicht wurde im Laufe des Tages besser und gegen 15:30 kam die Sonne nach Tagen mal wieder richtig raus. Wir müssen aufpassen, uns keine ernsthaften Erfrierungen zuzuziehen. Schneebedingungen wechseln schnell von sehr stumpf auf etwas gleitend und wieder zurück. Unglaublich schöne Sastrugis in regelmäßigen Abstand, jedoch schrecklich die Pulkas darüber zu ziehen. Wir schaffen 11km bevor wir Lager machen. Bereits 18:00 sind -31°C obwohl die Sonne noch scheint. Abends gibt es Mousse au Chocolat und einen Schuss Rum in den Tee. Das heitert die Stimmung auf! Aber unsere Situation ist kritisch und der Ausblick hoffnungslos. Die Wettervorhersage der Freunde zu Hause sagt schönes Wetter mit leichtem Rückenwind und -30 Grad und darunter für 2-3 Tage. Also Segelwind, jedoch erfriert man bei -30 Grad und Wind, da man sich beim Segeln qenig bewegt! Dazu die Sastrugis, also ist auch segeln ausgeschlossen. Darauf folgt ein großer Sturm gefolgt von Schneefall. Wir haben noch Essen für etwa 1 Woche, jedoch noch 180 km bis zum „Swiss camp“, unserem schon früher angepaßten Ziel. Das ist unter diesen Umständen auch nicht zu erreichen. Wir schauen unsere Finger und Zehen genau an und versuchen unsere Situation genau zu verstehen. Dabei wird klar, dass Thomas, Frank und Luisa bereits erste Anzeichen von Erfrierungen haben. Wir beschließen bei unter -20 nicht mehr für längere Zeit aus dem Zelt zu gehen, um keine bleibenden Erfrierunsschäden zu riskieren. Damit waren wir handlungsunfähig, zumindest für die nächsten 4 Tage. Es wurde klar, dass wir in ernsthafte Gefahr kommen werden, wenn wir nicht mit den Behörden und dem Rettungsdienst in Kontakt treten und unsere Abholung organisieren.

Somit beendeten wir die Expedition am Camp 32 / Tag 38 und wurden vom SAR-Helikopter nach Ilulissat ausgeflogen.

Reflexion nach 4 Tagen Erholung in Ilulissat

Die letzten 3 Wochen der Expedition verbrachten wir in nur einem Zelt inklusive kochen. Das war eigentlich nur eine Notlösung, wurde aber auf Grund der anhaltenden großen Kälte und schwierigen Bedingungen zum Standard. Wegen der schwierigen Schnee und Wetterbedingungen kamen wir zu langsam vorwärts. Dies kombiniert mit einem verspäteten Start bedingt durch Corona Quarantäne, einem Sturm am Start und einem sehr frühen Wintereinbruch mit extremen Temperaturen, ließ uns keine andere Möglichkeit, als die Expedition zeitiger zu beenden. Wir sind sehr froh darüber diese Entscheidung so gefällt zu haben. Alle Teilnehmer sind gesund und haben nur geringe Erfrierungen, welche bald wieder abheilen werden. Wir haben wertvolle Meßergebnisse von ⅔ des Höhenprofiles gesammelt und die Gesundheit aller Teilnehmer wurde gewahrt.